Erfahren Sie in diesem Artikel,
- wie ein Korrekturzyklus aufgebaut ist und wofür die drei Phasen stehen,
- welche Einstellungsmöglichkeiten beim Anlegen eines Korrekturzyklus zur Verfügung stehen und
- welche Befehle je Korrekturzyklus und je Eintrag zur Verfügung stehen.
1. Einführung
Der Zustand eines Drucksystems bleibt nicht dauerhaft unverändert. Gewartete Druckköpfe, eine neue Tintencharge oder veränderte Umgebungsbedingungen führen dazu, dass dieselben Druckdaten nach einiger Zeit nicht mehr exakt gleich ausgegeben werden. Mit der Re-Charakterisierung wird diese Abweichung gemessen und – sofern sie zu groß ist – durch eine Korrektur ausgeglichen.
Korrekturzyklen ist der Verwaltungsbereich dafür. Ziel dieses Bereichs ist es, sämtliche Messungen einer Re-Charakterisierung zu organisieren und festzulegen, welche Korrektur für die Produktion verwendet wird. Das Ergebnis ist ein nachvollziehbarer Verlauf aus Überprüfungen und Korrekturen, aus dem hervorgeht, wie weit das Drucksystem vom charakterisierten Zustand abweicht und mit welcher Korrektur dieser Zustand wiederhergestellt wurde.
Re-Charakterisierung erstellen
Wie Sie eine Re-Charakterisierung Schritt für Schritt durchführen – vom Drucken des Messvorlage-Charts bis zur Bewertung des Ergebnisses – lesen Sie im Artikel Re-Charakterisierung erstellen.
2. Aufbau eines Korrekturzyklus
Eine Re-Charakterisierung besteht nicht aus einem einzelnen Durchlauf, sondern aus einer Folge von Messungen. Diese Messungen sind in drei Ebenen gegliedert:
- Korrekturzyklus – die oberste Ebene. Ein Korrekturzyklus fasst alle Messungen zusammen, die auf denselben Toleranzwerten beruhen.
- Eintrag – eine einzelne Messung innerhalb eines Korrekturzyklus. Die Einträge werden folgendermaßen unterteilt:
- Überprüfung – das Messvorlage-Chart wird ohne Korrektur gedruckt. Gemessen wird die Abweichung vom charakterisierten Zustand.
- Korrektur – das Messvorlage-Chart wird mit einer berechneten Korrektur gedruckt. Gemessen wird, ob diese Korrektur den ursprünglichen Zustand ausreichend wiederherstellt.
- Teilschritt – jeder Eintrag wird in vier Teilschritten abgearbeitet:
- Messvorlage-Chart drucken – auf dem im Profilierungsprojekt definierten Referenzdrucker.
- Messvorlage-Chart einmessen – mit dem beim Erstellen des Projekts gewählten Messinstrument.
- Messdaten analysieren – zur visuellen Auswertung der Messdaten.
- Freigeben/Ablehnen – die Abweichungen werden den hinterlegten Toleranzen gegenübergestellt und das Ergebnis wird freigegeben oder abgelehnt.
Eine Korrektur ist somit kein reiner Rechenschritt. Sie wird gedruckt, eingemessen und bewertet wie jede andere Messung auch. Reicht das Ergebnis nicht aus, wird eine weitere Korrektur auf Basis der vorangegangenen erstellt.
Die Einträge eines Korrekturzyklus werden nach ihrer Funktion in drei Phasen gegliedert:
- Phase A: Überprüfung der Charakterisierung – in dieser Phase wird der gemessene Zustand gegenüber der ursprünglichen Charakterisierung überprüft. Wird die Überprüfung freigegeben, ist keine Korrektur erforderlich. Wird sie abgelehnt, wird in die Korrekturphase gewechselt.
- Phase B: Korrektur zu Phase A und Iterationen – in dieser Phase werden die Korrekturen erstellt und gemessen. Jede weitere Korrektur baut auf der vorangegangenen auf.
- Phase C: Überprüfung der Korrektur [Nummer] – in dieser Phase wird die erstellte Korrektur zu einem späteren Zeitpunkt erneut überprüft. Gemessen wird gegen das zuletzt korrigierte Farbprofil.
Nur ein Korrekturzyklus
Beachten Sie, dass je Profilierungsprojekt immer nur ein Korrekturzyklus laufen kann. Solange ein Korrekturzyklus nicht abgeschlossen ist, kann kein weiterer angelegt werden.
Abbildung 1: Ein abgeschlossener Korrekturzyklus mit allen drei Phasen
3. Einstellungsmöglichkeiten
Der Schritt Re-Charakterisierung gliedert sich in zwei Bereiche:
- Korrekturzyklen (roter Bereich) – in diesem Bereich werden alle Korrekturzyklen des Profilierungsprojekts mit ihren Einträgen angezeigt. Hier können neue Korrekturzyklen angelegt, bestehende bearbeitet, abgeschlossen und archiviert werden.
- Teilschritte (grüner Bereich) – in diesem Bereich werden die vier Teilschritte sowie alle Informationen zu jenem Eintrag angezeigt, der im Bereich Korrekturzyklen ausgewählt ist.
Abbildung 2: Der Schritt Re-Charakterisierung im Expertenmodus
3.1. Korrekturzyklus hinzufügen
Ein Korrekturzyklus wird über den Befehl Neuen Korrekturzyklus hinzufügen [1] angelegt. Alle weiteren Möglichkeiten stehen anschließend als Befehle je Korrekturzyklus und je Eintrag zur Verfügung. Im Dialog Korrekturzyklus hinzufügen legen Sie die Bewertungsgrundlage des Korrekturzyklus fest.
Folgende Einstellungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:
- Bemerkung [2] – hier können Sie eine optionale Bemerkung zum Korrekturzyklus hinterlegen. Diese wird in der Kopfzeile des Korrekturzyklus angezeigt und hilft Ihnen dabei, mehrere Korrekturzyklen eines Profilierungsprojekts auseinanderzuhalten.
- Toleranz für Primärfarben [3] – legt fest, welche Abweichung der Primärfarben in ∆E00 zulässig ist. Anhand dieses Werts wird im Teilschritt Freigeben/Ablehnen bewertet, ob eine Überprüfung bzw. eine Korrektur das geforderte Ergebnis erreicht.
- Toleranz für Papierweiß [4] – legt fest, welche Abweichung des Papierweiß in ∆E00 zulässig ist.
Keine nachträgliche Änderung der Toleranzwerte möglich
Beachten Sie, dass es sich bei den beiden Toleranzwerten um eigene Werte der Re-Charakterisierung handelt und dass diese nach dem Anlegen nicht mehr geändert werden können. Sie gelten für alle Einträge des Korrekturzyklus. Um mit anderen Toleranzwerten zu arbeiten, muss ein neuer Korrekturzyklus angelegt werden.
Abbildung 3: Der Dialog Korrekturzyklus hinzufügen
3.2. Befehle eines Korrekturzyklus
Folgende Befehle stehen in der Kopfzeile eines Korrekturzyklus im …-Menü [6] zur Verfügung:
- Bearbeiten [7] – in diesem Dialog kann ausschließlich die Bemerkung geändert werden, die beiden Toleranzwerte sind deaktiviert.
- Korrekturzyklus erneut öffnen [8] – öffnet einen abgeschlossenen Korrekturzyklus wieder, sodass weitere Überprüfungen oder Korrekturen ergänzt werden können. Diese Option steht ausschließlich dann zur Verfügung, sofern die letzte Überprüfung des Korrekturzyklus freigegeben wurde.
- Korrekturzyklus archivieren [9] – verschiebt einen abgeschlossenen Korrekturzyklus in den Reiter Archiv [5]. Der Korrekturzyklus bleibt damit einsehbar, ohne die Liste der laufenden Arbeit zu belasten.
- Korrekturzyklus abschließen – schließt den laufenden Korrekturzyklus ab. Erst danach kann ein neuer Korrekturzyklus angelegt werden. Diese Option wird nur angezeigt, wenn ein Korrekturzyklus noch nicht abgeschlossen ist.
Abbildung 4: Ein Korrekturzyklus mit geöffnetem Menü
3.3. Befehle eines Eintrags
Welche Befehle im …-Menü [10] eines Eintrags zur Verfügung stehen, hängt von der Art und vom Zustand des Eintrags ab. Bei einer Überprüfung steht ausschließlich der Befehl Bearbeiten, womit eine Bemerkung für die jeweilige Überprüfung hinzugefügt werden kann, zur Verfügung.
- Bearbeiten [11] – öffnet den Dialog Bearbeiten, in dem Sie eine Bemerkung zum Eintrag hinterlegen können. Damit lässt sich festhalten, unter welchen Bedingungen eine Messung entstanden ist – beispielsweise nach einem Druckkopftausch oder mit einer neuen Materialcharge.
- Für die Produktion verwenden [12] – legt die ausgewählte Korrektur für die Produktion fest. Das zugehörige Farbprofil wird damit bei der Auswahl der Farbstrategie verwendet. Auf diese Weise können Sie auch nachträglich eine andere Korrektur heranziehen.
- Nicht für die Produktion verwenden – hebt diese Festlegung wieder auf.
- Eintrag ausblenden [13] – blendet einen Eintrag aus der Liste aus, der nicht weiterverfolgt werden soll. Oberhalb der Phase A wird Ihnen anschließend angezeigt, dass ein Eintrag ausgeblendet ist. ber diesen Hinweis können Sie die ausgeblendeten Einträge wieder anzeigen und über denselben Befehl wieder einblenden.
Abbildung 5: Eine Korrektur innerhalb des Korrekturzyklus mit geöffnetem …-Menü
3.4. Messdaten und Farbprofile eines Eintrags
Zu jedem Eintrag stehen die Messdaten sowie das berechnete Farbprofil zur Verfügung. Folgende Möglichkeiten stehen im …-Menü [14] für jede Korrektur bzw. Überprüfung zur Verfügung:
- GUID in Zwischenablage kopieren [15] – durch Klick auf diese Option kann die GUID der Messdaten des jeweiligen Eintrags kopiert werden.
- Messdaten exportieren [16] – über diese Option können Sie die Messdaten eines Eintrags exportieren. Damit lässt sich eine Messung weitergeben oder fr ein anderes Projekt übernehmen.
- Messdaten importieren [17] – über diese Option können Sie die Messdaten für einen Eintrag importieren. Damit lässt sich eine extern erfasste Messung übernehmen.
Abbildung 6: Der Schritt Re-Charakterisierung mit einer markierten Korrektur
4. Ergebnisse miteinander vergleichen
Die Ergebnisse mehrerer Einträge eines Korrekturzyklus können Sie direkt gegenüberstellen. Wählen Sie dafür den ersten Eintrag aus und halten Sie beim Auswählen eines weiteren Eintrags cmd (macOS)| strg (Windows) gedrückt. Auf diese Weise beurteilen Sie, ob eine weitere Korrekturiteration tatsächlich eine Verbesserung gebracht hat und welche der bisherigen Korrekturen das beste Ergebnis liefert.
Abbildung 7: Die Vergleichsansicht mit drei ausgewählten Einträgen
4.1. Korrekturzyklusverlauf
Das Diagramm Korrekturzyklusverlauf stellt die mittlere Abweichung in ∆E über die ausgewählten Einträge dar. Auf der horizontalen Achse stehen die Einträge in ihrer zeitlichen Reihenfolge, auf der vertikalen Achse die Abweichung. Je Kriterium wird eine Linie gezeichnet. Eine fallende Linie bedeutet, dass sich das jeweilige Kriterium von Eintrag zu Eintrag verbessert hat.
Folgende Optionen stehen im Diagramm zur Verfügung:
- Alle Kriterien ein- oder ausblenden [18] – durch Klicken auf die vorangestellte Checkbox blenden Sie alle Kriterien gleichzeitig ein bzw. aus.
- Ein- oder Ausblenden eines Kriteriums [19] – durch Klicken auf die Checkbox des jeweiligen Kriteriums wird die jeweilige Linie ein bzw. ausgeblendet. Zur Verfügung stehen die Primärfarbe (Cyan, Magenta, Yellow und Black) sowie das Material. Das ist vor allem dann hilfreich, sofern eine Linie mit deutlich höheren Werten – häufig Black – die übrigen Linien optisch zusammendrückt.
Abbildung 8: Das Diagramm Korrekturzyklusverlauf
4.2. Übersicht der Ergebnisse im Vergleich
Die Tabelle Übersicht der Ergebnisse im Vergleich stellt dieselben Werte – wie im Diagram Korrekturzyklusverlauf – in Zahlen dar. Jede Zeile steht für ein Kriterium, jede Spalte für einen der ausgewählten Einträge. Die Spalten sind zeitlich geordnet, die Spalte des zuletzt ausgewählten Eintrags ist hervorgehoben.
Jede Zelle enthält die mittlere Abweichung sowie in Klammer die maximale Abweichung in ∆E₀₀. Mithilfe eines grünen bzw. roten Pfeils wird die Veränderung zur vorherigen Korrektur dargestelt. Ein grüner Pfeil nach unten steht für eine kleinere, ein roter Pfeil nach oben für eine größere Abweichung. Verglichen wird immer mit dem direkt vorangegangenen Eintrag, nicht mit dem ersten!
Folgende Option steht in der Tabelle zur Verfügung:
- Kriterium aufklappen [20] – durch Klicken auf den Pfeil am Ende einer Zeile klappen Sie das jeweilige Kriterium auf bzw. wieder zu. Angezeigt werden dann die Tonwerte 100 %, 75 %, 50 % und 25 %. Damit lässt sich eine Veränderung einzelnen Tonwertbereichen zuordnen.
Abbildung 9: Die Tabelle Übersicht der Ergebnisse im Vergleich
Was können Sie aus der Tabelle herauslesen?
Eine Korrektur wirkt nicht auf alle Kriterien gleich. In Abbildung 9 verbessern sich von Korrektur 2 auf Korrektur 3 vier der fünf Kriterien, Yellow verschlechtert sich dagegen von 0,22 auf 0,63. Solange alle Werte innerhalb der Toleranzen bleiben, ist das unkritisch. Zeigt ein Kriterium jedoch ber mehrere Iterationen hinweg nach oben, während die übrigen kaum noch besser werden, bringt eine weitere Korrekturiteration in der Regel nichts mehr.
4.3. Detailangaben
Rechts neben der Tabelle Übersicht der Ergebnisse im Vergleich werden die Detailangaben zu jenem Eintrag angezeigt, der in der Tabelle ausgewählt ist. Die Überschrift nennt den Eintrag, sodass Sie jederzeit sehen, auf welche Spalte sich die Angaben beziehen. Folgende Informationen stehen zur Verfügung:
- Perzentil [21] – zeigt an, welcher Anteil der Datensätze innerhalb welcher Abweichung liegt. Damit beurteilen Sie, ob ein hoher Maximalwert ein Einzelfall ist oder ob ein größerer Teil der Messwerte betroffen ist.
- Kriterium [22] – zeigt Minimum, Maximum und Durchschnitt der Abweichung in ∆E über alle Farbfelder an.
- Anzahl von verwendeten Farbfeldern [23] – zeigt an, wie viele Farbfelder in beiden Messungen enthalten sind sowie wie viele Farbfelder das Re-Charakterisierungschart und das Charakterisierungschart jeweils umfassen. Da das Chart der Re-Charakterisierung weniger Farbfelder enthält als jenes der Charakterisierung, beruht der Vergleich immer auf der Schnittmenge beider Messungen.
Abbildung 10: Die Detailangaben eines ausgewählten Eintrags
Artikel Update: $PRODUCT_NAME_WORKFLOW 2.3.0 – 09/2026









