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Profilierungsprojekte – Eine Einführung

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Erfahren Sie in diesem Artikel,

  • was unter einem Profilierungsprojekt verstanden wird,
  • warum die Profilierung eines Drucksystems erforderlich ist und
  • welche Vorteile die projektbasierte Vorgehensweise bietet.

1. Einführung

Digitale Drucksysteme verhalten sich in ihrer Farbwiedergabe nicht linear. Eine Verdoppelung des angeforderten Tonwerts führt nicht zu einer Verdoppelung der wahrgenommenen Farbdichte und der Zusammenhang zwischen angesteuertem Wert und gedrucktem Ergebnis unterscheidet sich von Kanal zu Kanal. Dazu nehmen weitere Faktoren einen Einfluss darauf:

  • Material – Saugverhalten, Oberfläche, Farbe des Substrats sowie optische Aufheller im Material verändern das Farbergebnis erheblich.
  • Tintenmenge – ab einer bestimmten Gesamtfarbauftragsmenge nimmt die Farbwirkung nicht weiter zu, während Trocknungsprobleme und Materialverformungen zunehmen.
  • Erweiterte Farbräume – gamuterweiternde Farben sowie Light-Tinten müssen in die Separation eingebunden werden, um überhaupt nutzbar zu sein.
  • Zusätzliche Flüssigkeiten – Weiß, Primer oder Varnish beeinflussen das Farbergebnis, sofern sie mitgedruckt werden, und müssen daher bereits während der Profilierung berücksichtigt werden.
  • Zustand des Drucksystems – Druckköpfe, Tintencharge und Umgebungsbedingungen verändern sich über die Zeit.

Ohne eine Profilierung sind Farbergebnisse deshalb nicht vorhersehbar, nicht wiederholbar und nicht gegen einen Referenzfarbraum prüfbar. Eine Freigabe gegenüber Kunden, die Einhaltung von Standards sowie ein reproduzierbarer Nachdruck sind erst dann möglich, wenn das Verhalten der Maschinen- und Materialkombination messtechnisch erfasst und hinterlegt ist.

Damit $PRODUCT_NAME_WORKFLOW ein Drucksystem farbverbindlich ansteuern kann, müssen diese Eigenschaften der Farbwiedergabe einmalig ermittelt und im System hinterlegt werden. Das Projekt, in dem diese Eigenschaften erfasst, gemessen und ausgewertet werden, wird als Profilierungsprojekt bezeichnet.

2. Profilierungsprojekte im Detail

Die Profilierung eines Drucksystems besteht aus mehreren aufeinander aufbauenden Schritten. Jeder dieser Schritte benötigt dieselben Rahmenbedingungen – dasselbe Drucksystem, dieselbe Druckkonfiguration, dasselbe Referenzmaterial, dasselbe Messgerät sowie denselben Parametersatz. Werden diese Rahmenbedingungen für jeden Schritt einzeln festgelegt, entstehen Abweichungen, die im Ergebnis nicht mehr nachvollziehbar sind.

Aus diesem Grund werden in $PRODUCT_NAME_WORKFLOW alle Schritte einer Profilierung in einem Projekt zusammengeführt. Der Konzeption liegen folgende Überlegungen zugrunde:

  • Eine Referenzkombination als Ausgangspunkt – ein Profilierungsprojekt wird für genau einen Drucker, eine Druckkonfiguration, eine maximale Farbkonfiguration sowie ein Referenzmaterial angelegt. Gewählt werden dabei jene Druckkonfiguration, die üblicherweise die bestmögliche Druckqualität liefert, sowie jenes Material, das den höchstmöglichen Farbumfang sicherstellt. Alle weiteren Kombinationen werden von dieser Referenzprofilierung abgeleitet.
  • Einmalige Festlegung statt wiederholter Eingabe – Angaben wie Messgerät, Parametersatz oder Gesamtfarbauftragsbegrenzung werden beim Anlegen des Projekts hinterlegt und in den einzelnen Schritten übernommen. Damit ist ausgeschlossen, dass Schritte desselben Projekts unter unterschiedlichen Bedingungen entstehen.
  • Nachvollziehbare Abhängigkeiten – Einstellungen, die das Ergebnis maßgeblich bestimmen, jedoch außerhalb des Projekts liegen, werden im Projekt selbst dokumentiert. Dazu zählt insbesondere der CMYK-Arbeitsfarbraum, der als Grundlage für die Berechnung der Material-DeviceLink-Profile herangezogen wird.
  • Geführter Ablauf mit abgestufter Tiefe – im Standardmodus wird ausschließlich abgefragt, was für das Anlegen eines Profilierungsprojekts notwendig ist. Weitergehende Eingriffsmöglichkeiten stehen im Expertenmodus sowie im Reiter Erweitert zur Verfügung.
  • Ableitung aus den Stammdaten – ob ein Schritt überhaupt erforderlich ist, richtet sich nach dem gewählten Drucksystem. Schritte, die für das gewählte Drucksystem nicht benötigt werden, werden nicht angeboten.
  • Erhaltung der Messdaten – Messungen werden im jeweiligen Schritt gespeichert und bleiben erhalten. Damit können Messungen wiederholt und Ergebnisse verglichen werden, ohne dass das Projekt neu aufgesetzt werden muss.

2.1. Aufbau eines Profilierungsprojekts

Ein Profilierungsprojekt gliedert sich in Schritte, die in festgelegter Reihenfolge durchlaufen werden. Abhängig vom gewählten Drucksystem sowie von den gewählten Optionen stehen folgende Schritte zur Verfügung:

Innerhalb dieser Schritte wiederholen sich dieselben Teilschritte. Eine Messvorlage wird als Chart gedruckt, das gedruckte Chart wird eingemessen, die Messdaten werden analysiert und auf Basis der Messdaten wird ein Profil erstellt.

2.2. Vorteile eines Profilierungsprojekts

Die projektbasierte Vorgehensweise bietet gegenüber einer Aneinanderreihung einzelner Profilierungsschritte folgende Vorteile:

  • Vollständigkeit – die Reihenfolge der Schritte sowie die für den nächsten Schritt benötigten Ergebnisse sind vorgegeben. Ein unvollständig profiliertes Drucksystem wird dadurch erkennbar.
  • Konsistenz – alle Schritte eines Projekts beruhen auf denselben Rahmenbedingungen. Abweichungen durch unterschiedliche Messgeräte, Parametersätze oder Arbeitsfarbräume innerhalb einer Profilierung werden vermieden.
  • Nachvollziehbarkeit – gemessene Daten sowie die verwendeten Einstellungen bleiben im Projekt erhalten und sind auch nach Monaten noch überprüfbar.
  • Mehrfachnutzung – aus einer abgeschlossenen Referenzprofilierung können mehrere Farbstrategien abgeleitet werden, etwa für abweichende Separationseinstellungen, für weitere Farbkonfigurationen, für Materialien mit abweichenden Eigenschaften sowie mit Angleichungsprofilen für andere Drucksysteme.
  • Pflege statt Neuprofilierung – verändert sich der Zustand des Drucksystems, wird zunächst ber die Re-Charakterisierung korrigiert. Eine vollständige Neuprofilierung ist erst dann erforderlich, wenn eine Korrektur nicht mehr ausreicht.
  • Reduzierter Einarbeitungsaufwand – der Standardmodus führt durch die notwendigen Angaben, während der Expertenmodus jene zusätzlichen Möglichkeiten bereitstellt, die für abweichende Anforderungen benötigt werden.

2.3. Ergebnis eines Profilierungsprojekts

Ein abgeschlossenes Profilierungsprojekt liefert die Farbstrategien, die für die Ausgabe von Produktionsaufträgen benötigt werden. Ein Profilierungsprojekt kann dabei folgende Informationen beinhalten:

  • eine Farbstrategie zur Beschreibung des Farbumfangs der Kombination aus Drucker, Druckkonfiguration, Farbkonfiguration und ausgewähltem Material,
  • eine oder mehrere Farbstrategien mit abweichenden Separationseinstellungen,
  • eine oder mehrere Farbstrategien für abweichende Farbkonfigurationen innerhalb eines Drucksystems oder über mehrere Drucksysteme hinweg,
  • eine oder mehrere Farbstrategien für Materialien mit abweichenden Materialeigenschaften sowie
  • eine oder mehrere Farbstrategien mit Angleichungsprofilen für andere Drucksysteme.

Detailbeschreibung

Nähere Informationen zur Verwaltung und zur Benutzeroberfläche der Profilierungsprojekte finden Sie im Artikel Konzeption und Benutzeroberfläche. Das Anlegen eines Profilierungsprojekts sowie die dabei zur Verfügung stehenden Einstellungsmöglichkeiten sind im Artikel Anlegen eines Profilierungsprojekts beschrieben.

3. Standardmodus vs. Expertenmodus

Die Profilierung eines Drucksystems umfasst eine große Anzahl an Einstellungen, von denen nur ein Teil für ein vollständiges Profilierungsprojekt tatsächlich benötigt wird. Ein Großteil der übrigen Einstellungen wird ausschließlich für Sonderfälle benötigt und setzt farbmetrisches Wissen voraus. Aus diesem Grund wird die Bedienung in zwei Stufen angeboten – den Standardmodus sowie den Expertenmodus.

Beide Modi greifen auf denselben Funktionsumfang im Hintergrund zu. Der Unterschied liegt darin, wie viele Einstellungen im Dialog eingeblendet werden und welche der berechneten Werte durch den Anwender verändert werden können.

Der Modus wird jeweils direkt im geöffneten Dialog über die Option Expertenmodus umgeschaltet. Umgeschaltet wird dabei nicht ein einzelner Dialog, sondern der Bedienmodus des Anwenders. Ist der Expertenmodus aktiviert, stehen die erweiterten Einstellungsmöglichkeiten in allen Dialogen zur Verfügung, in denen sie angeboten werden.

3.1. Standardmodus

Der Standardmodus ist der voreingestellte Modus. Er deckt alle Einstellungen ab, die zum Anlegen eines Profilierungsprojekts sowie zum Durchlaufen aller Schritte erforderlich sind. Ein im Standardmodus durchgeführtes Profilierungsprojekt ist somit vollständig und produktionstauglich.

Der Standardmodus ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Vorgegebene Werte – Angaben wie Farbkonfiguration, Arbeitsfarbräume oder Toleranzen werden aus den Stammdaten sowie aus den Systemeinstellungen übernommen und nicht zur Auswahl angeboten. Verwendet wird dabei jene Farbkonfiguration, die alle Prozessfarben der im Drucker verfügbaren Tinten umfasst.
  • Übernahme der berechneten Werte – die auf Basis der Messdaten berechneten Werte und Kurven werden übernommen. Eine Veränderung dieser Werte ist im Standardmodus nicht vorgesehen.
  • Reduzierte Ansichten – angezeigt werden die berechneten Ergebnisse. Zusätzliche Diagramme und Auswertungen bleiben ausgeblendet.
  • Vorgegebener Ablauf – welche Schritte im Profilierungsprojekt durchlaufen werden, ergibt sich aus dem gewählten Drucksystem sowie aus den Stammdaten.

3.2. Expertenmodus

Der Expertenmodus richtet sich an Anwender, die eine größere Kontrolle über die Profilierung sowie über die Profilberechnung benötigen. Durch das Aktivieren des Expertenmodus werden zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten, zusätzliche Reiter sowie zusätzliche Ansichten eingeblendet. Dazu zählen unter anderem folgende Möglichkeiten:

  • Abweichende Rahmenbedingungen – die Farbkonfiguration kann frei gewählt werden, ebenso der CMYK-Arbeitsfarbraum sowie der RGB-Arbeitsfarbraum, die als Grundlage für die Berechnung der Material-DeviceLink-Profile herangezogen werden.
  • Steuerung der Schritte – in den optionalen Schritte Vorlinearisierung, Linearisierung sowie G7-Linearisierung stehen weitere Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung.
  • Eingriff in die Berechnung – berechnete Werte und Kurven können abgeändert werden, etwa im Rahmen der Tintenbegrenzung.
  • Erweiterte Auswertung – zusätzliche Ansichten wie die Kurven auf Basis der Messdaten werden eingeblendet.
  • Zuweisung der Farbstrategien – die im Projekt erstellten Farbstrategien können allen Materialien oder einer erweiterten Auswahl an Materialien zugewiesen werden.

Der Expertenmodus ist, wie der Name schon verrät, für Experten im Farbmanagement vorgesehen. Ein Beispiel dafür ist ein Profilierungsprojekt für eine bestimmte Farbkonfiguration, die sich deutlich auerhalb der normalen Produktionsbedingungen für ein bestimmtes Material befindet.

Artikel Update: $PRODUCT_NAME_WORKFLOW 2.3.0 – 09/2026

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