Erfahren Sie in diesem Artikel,
- was die Papierweißkompensierung ist und welche Aufgabe sie bei der Profilberechnung übernimmt,
- wie sich unterschiedliche Werte auf die Lichter und die Grauachse auswirken und
- welche Einstellungen sich für typische Anwendungsfälle empfehlen.
1. Einführung
Die Papierweißkompensierung für CMYK und RGB ist ein Parameter der Profil- bzw. Separationsberechnung. Er steuert, in welchem Umfang der gemessene Weißpunkt des Ausgabemediums bei der Erzeugung der Farbtransformation berücksichtigt wird. Hintergrund ist, dass das tatsächliche Weiß des Bedruckstoffs vom Referenzweiß des verwendeten CMYK- oder RGB-Farbraums abweichen kann. Ein ungestrichenes, gelbliches oder anderweitig getöntes Substrat besitzt beispielsweise einen anderen Weißpunkt als ein neutraler Referenzfarbraum.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem physikalischen Papierweiß und seiner Berücksichtigung in der Farbtransformation. Eine Einstellung von 0 % bedeutet nicht, dass das reale Papierweiß verschwindet. Das Medium bleibt natürlich das tatsächliche Ausgabemedium. Der Parameter bestimmt vielmehr, wie stark dessen Weißpunkt in die Farbzuordnung, insbesondere in den hellen und neutralen Bereichen, einbezogen wird.
Abbildung 1: Referenz-Weißpunkt des CMYK-Arbeitsfarbraums und Weißpunkt eines gelblichen Materials im Vergleich
2. Funktionsweise
Bei der Profilberechnung sind insbesondere zwei Weißpunkte relevant:
- Referenz-Weißpunkt – das Weiß, auf das sich die Quelldaten bzw. der gewählte Arbeitsfarbraum beziehen.
- Material-Weißpunkt – das anhand der Messdaten der Charakterisierung ermittelte Weiß des tatsächlich verwendeten Mediums.
Die Papierweißkompensierung steuert den Grad der Anpassung zwischen diesen beiden Bezugspunkten. Je höher die Einstellung, desto stärker kann sich die Farbzuordnung der hellen und neutralen Bereiche am Weißpunkt des Ausgabemediums orientieren. Die genaue mathematische Umsetzung ist jedoch von der jeweiligen Profilierungssoftware und ihrem Berechnungsalgorithmus abhängig. Der Prozentwert sollte daher nicht als einfache lineare Mischung zweier Lab-Werte verstanden werden.
Abbildung 2: Wirkung der Papierweißkompensierung auf Lichter und Grauachse (schematisch)
2.1. Auswirkung der Werte
Die folgenden Beschreibungen sind als qualitative Orientierung zu verstehen. Welche konkrete Änderung sich in einer Separation ergibt, hängt unter anderem vom Unterschied der Weißpunkte, vom Profilierungsverfahren, vom Gamut des Mediums und von weiteren Separationsparametern ab.
- 0 % – der Einfluss des Material-Weißpunkts auf die Farbzuordnung wird minimiert. Die Transformation orientiert sich damit stärker am Referenzfarbraum. Das kann sinnvoll sein, wenn die Farbanmutung der Quelldaten möglichst wenig durch den unterschiedlichen Bedruckstoff verändert werden soll. Das tatsächliche Papierweiß bleibt dabei selbstverständlich bestehen.
- Mittlere Werte – der Material-Weißpunkt wird teilweise berücksichtigt. Dies kann einen ausgewogenen Übergang zwischen der Farbanmutung der Quelldaten und der visuellen Wirkung des Zielmediums ermöglichen. Ein konkreter Wert wie 30 % sollte als projekt- bzw. workflowabhängige Einstellung betrachtet werden und nicht als allgemeingültiger Standard für jede Profilierung.
- 100 % – der Einfluss des Material-Weißpunkts wird maximiert. Dadurch können helle und neutrale Farben stärker an die Eigenschaften des Zielmediums angepasst werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die gesamte Grauachse über den vollständigen Tonwertbereich einfach auf den Papierton verschoben wird.
Abbildung 3: Farbabweichung der Grauachse in Abhängigkeit vom Tonwert (schematisch)
Die Wirkung ist typischerweise im Weiß- und Lichterbereich am deutlichsten. Mit zunehmender Farbdichte nimmt der direkte Einfluss des Weißpunkts auf die wahrgenommene Farbe ab. Eine feste Aussage wie ab 20 % Tonwert ist die Grauachse neutral lässt sich daraus jedoch nicht allgemein ableiten und hängt vom konkreten Profilierungsalgorithmus und vom gemessenen Material ab.
Ebenso sollte eine schematische Kurve der Grauachse nicht als farbmetrisch berechnetes Ergebnis interpretiert werden. Für eine belastbare Aussage sind die tatsächlichen Messdaten und die konkrete Profilberechnung des verwendeten Workflows erforderlich.
Beispiel
Angenommen, eine Separation aus einem Referenzfarbraum wird auf ein Material mit deutlich abweichendem Weißpunkt übertragen. Bei einer niedrigen Papierweißkompensierung bleibt die Farbanmutung der Quelldaten stärker erhalten. Bei einer hohen Einstellung wird der unterschiedliche Material-Weißpunkt stärker in die Farbzuordnung einbezogen. Wie stark sich dabei insbesondere neutrale Farben und Lichter verändern, hängt vom konkreten Weißpunktunterschied und von der Profilberechnung ab.
3. Verwendung im Profilierungsprojekt
Den Parameter Papierweißkompensierung für CMYK [1] und Papierweißkompensierung für RGB [2] finden Sie in einem Profilierungsprojekt im Reiter Separationsparameter des Schrittes Charakterisierungsprofil erstellen.
Abbildung 4: Die Optionen des Reiters Separationsparameter des Schrittes Charakterisierungsprofil erstellen
Die Werte liegen im beschriebenen Workflow zwischen 0 % und 100 %. Ein höherer Wert erhöht den Einfluss des gemessenen Material-Weißpunkts auf die berechnete Farbtransformation. Die grafische Anzeige unterhalb des Eingabefelds stellt die beiden Endpunkte Weißpunkt: Referenzfarbraum und Material gegenüber. Sie dient der Veranschaulichung des Wertebereichs und ist nicht selbst die Berechnung der Farbtransformation.
Für die Verwendung des Parameters gelten folgende Empfehlungen:
- Niedrige Einstellung – geeignet, wenn die Farbanmutung der Quelldaten möglichst wenig durch den unterschiedlichen Material-Weißpunkt beeinflusst werden soll.
- Mittlere Einstellung – geeignet als Ausgangspunkt, wenn ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Quellfarbanmutung und Berücksichtigung des Zielmediums gesucht wird. Der konkrete Wert sollte anhand von Testprofilen und visueller bzw. messtechnischer Bewertung festgelegt werden.
- Hohe Einstellung – geeignet, wenn der Material-Weißpunkt bei der Farbanpassung möglichst stark berücksichtigt werden soll, beispielsweise wenn die visuelle Beziehung zwischen neutralen Flächen und dem Bedruckstoff im Vordergrund steht. Verwenden Sie diese Einstellung bei überwiegend grauen oder neutralen Motiven, etwa bei technischen Illustrationen oder Katalogabbildungen mit großen neutralen Flächen, um zu vermeiden, dass in Graubereichen plötzlich Buntanteile sichtbar werden.
Wirkung abhängig vom Unterschied der Weißpunkte
Die Wirkung der Papierweißkompensierung hängt wesentlich vom Unterschied zwischen Referenz-Weißpunkt und Material-Weißpunkt ab. Sind beide Weißpunkte ähnlich, fällt der sichtbare Effekt der Einstellung entsprechend gering aus. Bei einem deutlich getönten oder stark abweichenden Material kann die Änderung dagegen insbesondere in Weiß und Lichtern deutlich sichtbar werden.
Papierweißkompensierung für RGB verwenden?
Die Einstellung Papierweißkompensierung für RGB ist im beschriebenen Workflow insbesondere dann relevant, wenn RGB-Objekte über die Option RGB nach Material direkt in Richtung Ausgabematerial konvertiert werden.
Wird dagegen in der Farbraum-Konvertierung der CMYK-Arbeitsfarbraum als Zwischenfarbraum verwendet, werden RGB-Objekte zunächst in diesen CMYK-Arbeitsfarbraum konvertiert. In diesem Fall greift für die anschließende Verarbeitung die Papierweißkompensierung für CMYK.
Artikel Update: $PRODUCT_NAME_WORKFLOW 2.3.0 – 09/2026



