Erfahren Sie in diesem Artikel,
- was die Gamuterweiterung ist und welche Aufgabe sie bei der Profilberechnung übernimmt,
- wie sich unterschiedliche Werte auf Sättigung und Farbtreue auswirken und
- wie die Gamuterweiterung eingestellt wird.
1. Einführung
Die Gamuterweiterung vergrößert den Farbumfang (Gamut) des berechneten Profils gezielt über die reinen Messdaten hinaus, indem gesättigtere Farborte im Randbereich des Farbraums erzeugt werden. Hintergrund ist, dass die aus den Messdaten interpolierten und geglätteten Profildaten den tatsächlich druckbaren Farbraum tendenziell etwas kleiner abbilden, als er physikalisch erreichbar wäre. Ursache dafür sind unter anderem Messtoleranzen sowie die Glättung und Interpolation der Messwerte des Testcharts.
Ein gesättigtes Magenta-Volltonfeld beispielsweise kann im berechneten Profil eine geringere Chroma aufweisen, als der Drucker tatsächlich erzeugen kann. Die Gamuterweiterung schiebt den entsprechenden Randbereich des Profils gezielt in Richtung der höheren, physikalisch möglichen Sättigung.
2. Funktionsweise
Die Gamuterweiterung wirkt unmittelbar auf die Berechnung des Charakterisierungsprofils. Sie verändert dabei nicht die Messdaten selbst, sondern ausschließlich die daraus abgeleitete äußere Grenze des Farbraums.
Die Gamuterweiterung wird über einen Schieberegler von 0 % bis 100 % eingestellt (Standardwert 0 %). Bei 0 % bleibt der Farbraum des Profils unverändert auf den aus den Messdaten berechneten Werten. Mit steigendem Wert wird die äußere Grenze des Gamuts in den gesättigten Bereichen schrittweise nach außen verschoben, während der neutrale Bereich um die Grauachse davon weitgehend unberührt bleibt.
Abbildung 1: Wirkung der Gamuterweiterung auf den Farbraum (schematisch)
Die Grafik zeigt den Referenz-Gamut aus den reinen Messdaten sowie den bei 50 % Gamuterweiterung erweiterten Gamut. Die Verschiebung fällt in den gesättigten Bereichen nahe der Primärfarben am stärksten aus, im neutralen Zentrum bleibt sie gering.
2.1. Auswirkung der Werte
Der eingestellte Prozentwert bestimmt, wie weit die Grenze des Farbraums nach außen verschoben wird und wirkt sich dadurch unmittelbar auf Sättigung und Farbtreue des Profils aus. Die folgenden drei Beispielwerte veranschaulichen diesen Zusammenhang:
- Gamuterweiterung 0 % – der Farbraum entspricht exakt den gemessenen Daten. Es wird keine zusätzliche Sättigung erzeugt, wodurch das Profil möglichst farbmetrisch nah an der Messung bleibt.
- Gamuterweiterung 50 % – der Farbraum wird in den gesättigten Randbereichen moderat erweitert. Der Effekt betrifft vor allem kräftige Bunttöne nahe der Primärfarben, wodurch beispielsweise ein gesättigtes Magenta oder Cyan farbkräftiger wirkt, ohne dass sich die Grundcharakteristik des Profils deutlich verändert.
- Gamuterweiterung 100 % – der Farbraum wird maximal erweitert. Dies kann in stark gesättigten Bereichen zu sichtbaren Abweichungen gegenüber der reinen Messung führen, wodurch Farbtreue zugunsten von Sättigung und Buntheit zurücktritt.
Abbildung 2: Magenta-Volltonfeld bei unterschiedlicher Gamuterweiterung (schematisch)
Die Grafik veranschaulicht die zunehmende Sättigung eines Magenta-Volltonfelds bei 0 %, 50 % und 100 % Gamuterweiterung. Beachten Sie, dass eine hohe Gamuterweiterung die farbmetrische Übereinstimmung zwischen Profil und Messdaten verringert. Verwenden Sie hohe Werte, sofern eine kräftigere, sattere Farbwiedergabe gewünscht ist und eine exakte farbmetrische Reproduktion nicht im Vordergrund steht.
3. Verwendung im Profilierungsprojekt
Den Parameter Gamuterweiterung [1] finden Sie in einem Profilierungsprojekt im Reiter Farbraumanpassung des Schrittes Charakterisierungsprofil erstellen.
Abbildung 3: Die Optionen des Reiters Farbraumanpassung des Schrittes Charakterisierungsprofil erstellen
Der Parameter bestimmt, in welchem Ausmaß die Grenze des Farbraums über die reinen Messdaten hinaus verschoben wird. Die Werte liegen zwischen 0 % und 100 %. Ein höherer Wert führt dazu, dass gesättigte Bereiche des Profils stärker über den durch die Messung ermittelten Farbumfang hinaus erweitert werden.
Durch die Erweiterung der gesättigten Randbereiche des Farbraums wird eine kräftigere, sattere Farbwiedergabe erzielt. Gleichzeitig nimmt die farbmetrische Übereinstimmung zwischen dem berechneten Profil und den zugrunde liegenden Messdaten ab, je stärker die Erweiterung ausfällt.
Für die Verwendung des Parameters gelten folgende Empfehlungen:
- Gamuterweiterung 0 % (Standardwert) – bei 0 % entspricht der Farbraum des Profils exakt den gemessenen Daten. Verwenden Sie diesen Wert, sofern eine möglichst farbmetrisch exakte Reproduktion im Vordergrund steht, beispielsweise bei Proof- oder Kontraktdrucken.
- Gamuterweiterung 50 % – ein moderater Wert erweitert vor allem kräftige Bunttöne nahe der Primärfarben, ohne die Grundcharakteristik des Profils deutlich zu verändern. Verwenden Sie diesen Wert, sofern eine etwas kräftigere Farbwiedergabe gewünscht ist, ohne auf eine gute farbmetrische Annäherung an die Messung zu verzichten.
- Gamuterweiterung 100 % – bei einer maximalen Erweiterung wird der Farbraum in gesättigten Bereichen am stärksten vergrößert. Verwenden Sie diesen Wert, sofern eine möglichst kräftige und satte Farbwiedergabe im Vordergrund steht und eine geringere farbmetrische Genauigkeit in Kauf genommen werden kann.
Artikel Update: $PRODUCT_NAME_WORKFLOW 2.2.0 – 07/2026


