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Tiefenkompensierung (BPC)

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Erfahren Sie in diesem Artikel,

  • was die Tiefenkompensierung ist und nach welchem Prinzip sie funktioniert,
  • welche Vorteile der Einsatz der Tiefenkompensierung im Druckprozess bietet und
  • wie sich unterschiedliche Werte auf die Separation auswirken.

1. Einführung

Die Tiefenkompensierung (englisch: Black Point Compensation) ist ein Separationsparameter, der die Wiedergabe der dunkelsten Bildbereiche – der sogenannten Tiefen oder Schatten – bei der Farbraumtransformation steuert.

Quell- und Zielfarbraum unterscheiden sich in der Regel nicht nur in ihrer Größe und Form, sondern auch in ihrem Schwarzpunkt, also der dunkelsten Farbe, die im jeweiligen Farbraum wiedergegeben werden kann. Ist der Schwarzpunkt des Zielfarbraums heller als der Schwarzpunkt des Quellfarbraums, beispielsweise weil das Zielmedium keinen ebenso tiefen Schwarzpunkt (L*-Wert) erreichen kann, können die dunkelsten Tonwerte des Quellfarbraums im Zielfarbraum nicht mehr vollständig wiedergegeben werden.

Abbildung 1: Unterschiedliche Schwarzpunkte von Quell- und Zielfarbraum (schematische Darstellung)

Ohne Tiefenkompensierung werden diese nicht darstellbaren Tonwerte am Schwarzpunkt des Zielfarbraums beschnitten (Clipping). Mehrere unterschiedliche dunkle Tonwerte des Quellfarbraums fallen dadurch im Zielfarbraum auf denselben Wert zusammen – die Detailzeichnung in den Schatten geht verloren. Die Tiefenkompensierung verhindert diesen Zeichnungsverlust, indem sie den Tonwertumfang des Quellfarbraums auf den Tonwertumfang des Zielfarbraums entlang der Helligkeitsachse umverteilt.

Die Tiefenkompensierung (Black Point Compensation, kurz BPC) basiert auf dem aus dem ICC-Farbmanagement bekannten Prinzip der Anpassung des Schwarzpunkts. Im GMG Color Service wurde dieses Verfahren um eine stufenlos regelbare Einstellung erweitert, sodass die Stärke der Kompensation gezielt an unterschiedliche Produktionsanforderungen angepasst werden kann. Dadurch lässt sich der optimale Kompromiss zwischen der Erhaltung der Schattenzeichnung einerseits und der Wahrung von Farbsättigung und Farbtreue andererseits für den jeweiligen Anwendungsfall definieren.

2. Funktionsweise

Bei aktiver Tiefenkompensierung wird der Schwarzpunkt des Quellfarbraums auf den Schwarzpunkt des Zielfarbraums abgebildet. Die dazwischenliegenden Tonwerte werden nicht hart beschnitten, sondern über den verfügbaren Dynamikumfang des Zielfarbraums neu verteilt:

  • Die dunkelste Farbe des Quellfarbraums wird der dunkelsten Farbe des Zielfarbraums zugeordnet.
  • Alle übrigen Tonwerte werden entsprechend angepasst, sodass die Abstufungen zwischen den Tonwerten erhalten bleiben.
  • Die dunklen Tonwerte werden dadurch nur minimal beschnitten, während der verfügbare Dynamikumfang des Zielfarbraums in den Tiefen optimal genutzt wird.

Abbildung 2: Tonwertübertragung in den Tiefen mit und ohne Tiefenkompensierung (schematische Darstellung)

Diese Umverteilung verändert die Helligkeitsverteilung innerhalb des Farbraums. Abhängig von der Größe und Charakteristik des Zielfarbraums kann dies zu einer leichten Verringerung der wahrgenommenen Farbsättigung führen. Der Effekt ist besonders bei stark unterschiedlichen Schwarzpunkten sichtbar. Sofern der Zielfarbraum einen dunkleren Schwarzpunkt besitzt als der Quellfarbraum, kann die Tiefenkompensierung die Differenzierung dunkler Farben verbessern und den verfügbaren Tonwertumfang in den Tiefen erweitern.

Wird keine Tiefenkompensierung verwendet, werden Änderungen der innerhalb des Gamuts liegenden Farben minimiert. Gesättigte und dunkle Farben bleiben weitgehend unverändert. Nicht darstellbare Tonwerte werden jedoch am Schwarzpunkt des Zielfarbraums beschnitten, wodurch Zeichnungsverluste – auch als „Zuschmieren der Tiefen“ bekannt – entstehen können.

Abbildung 3: Wiedergabe dunkler Tonwertstufen im Zielfarbraum (schematische Darstellung)

2.1. Vorteile der Tiefenkompensierung

Der Einsatz der Tiefenkompensierung bietet insbesondere bei der Reproduktion von Bilddaten mehrere Vorteile:

  • Erhalt der Detailzeichnung in den Tiefen – dunkle Bildbereiche, beispielsweise Strukturen in dunkler Kleidung, Haaren oder Nachtaufnahmen, bleiben differenzierbar und laufen nicht zu einer einheitlich schwarzen Fläche zusammen.
  • Optimale Nutzung des Dynamikumfangs in den Tiefen – die verfügbaren Tonwertabstufungen des Zielfarbraums werden möglichst vollständig genutzt.
  • Harmonische Tonwertübergänge – durch die Umverteilung der Tonwerte entstehen keine sichtbaren Übergänge zwischen beschnittenen und nicht beschnittenen Bildbereichen.
  • Konsistente Schattenwiedergabe – Unterschiede zwischen Quell- und Zielfarbraum werden in den Tiefen kontrolliert ausgeglichen.

2.2. Nachteile der Tiefenkompensierung

Der Einsatz der Tiefenkompensierung kann auch unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringen:

  • Mögliche Verringerung der Farbsättigung – insbesondere bei stark gesättigten oder sehr dunklen Farben kann die wahrgenommene Brillanz geringfügig abnehmen.
  • Reduzierte Farbdynamik einzelner Bildbereiche – zugunsten einer verbesserten Schattenzeichnung kann die Differenzierung in anderen Farbbereichen leicht reduziert werden.
  • Veränderung dunkler und gesättigter Farben – Farben, die bereits innerhalb des Zielfarbraums liegen, können ebenfalls geringfügig beeinflusst werden.

2.3. Wirkung unterschiedlicher Werte

Die Tiefenkompensierung wird in der Anwendung stufenlos über einen Schieberegler eingestellt. Der eingestellte Wert bestimmt, wie stark die Tonwerte in den Tiefen umverteilt werden:

  • Niedriger Wert (0 %, keine Tiefenkompensierung) – Änderungen der innerhalb des Gamuts liegenden Farben werden minimiert. Gesättigte und dunkle Farben bleiben weitgehend unverändert. Nicht darstellbare Tonwerte werden jedoch beschnitten, wodurch Zeichnungsverluste entstehen können.
  • Mittlerer Wert – die Tonwerte in den Tiefen werden teilweise umverteilt. Zeichnungsverluste werden reduziert, während die Veränderung der übrigen Farben begrenzt bleibt.
  • Hoher Wert (100 %, maximale Tiefenkompensierung) – die Tonwertdifferenzierung in den Schatten bleibt weitestgehend erhalten. Je nach Quell- und Zielfarbraum kann dies zu einer leichten Verringerung der wahrgenommenen Farbsättigung führen.

2.4. Abgrenzung zur Schwarzpunktkompensierung

Im klassischen ICC-basierten Farbmanagement ist die Schwarzpunktkompensierung (Black Point Compensation, BPC) als Option bekannt, die bei der Konvertierung zwischen Farbräumen aktiviert oder deaktiviert werden kann. Sie verfolgt dasselbe Grundprinzip – die Anpassung des Quellschwarzpunkts an den Zielschwarzpunkt, um Zeichnungsverluste in den Tiefen zu vermeiden.

Der wesentliche Unterschied besteht in der Steuerbarkeit. Während die klassische ICC-Schwarzpunktkompensierung in der Regel nur aktiviert oder deaktiviert werden kann, lässt sich die Tiefenkompensierung im Profilierungsprojekt stufenlos einstellen. Dadurch kann der Kompromiss zwischen Schattenzeichnung einerseits und Farbtreue beziehungsweise Farbsättigung andererseits gezielt an den jeweiligen Anwendungsfall angepasst werden.

3. Verwendung im Profilierungsprojekt

Den Parameter Tiefenkompensierung [1] finden Sie in einem Profilierungsprojekt im Reiter Separationsparameter des Schrittes Charakterisierungsprofil erstellen.

Abbildung 4: Die Optionen des Reiters Separationsparameter des Schrittes Charakterisierungsprofil erstellen

Der Parameter bestimmt den Grad der Anpassung des Quellschwarzpunkts an den Zielschwarzpunkt und damit die Umverteilung der Tonwerte in den Tiefen während der Separation. Die Werte liegen zwischen 0 % und 100 %. Ein höherer Wert führt dazu, dass die Schattenzeichnung stärker erhalten bleibt. Gleichzeitig können Veränderungen an dunklen oder gesättigten Farben zunehmen.

Für die Verwendung des Parameters gelten folgende Empfehlungen:

  • Hoher Wert – verwenden Sie hohe Werte für CMYK-zu-CMYK-Separationen von Bilddaten. Bei fotografischen Motiven hat der Erhalt der Detailzeichnung in den Schatten meist Vorrang gegenüber maximaler Farbsättigung.
  • Niedriger Wert oder 0 % – verwenden Sie niedrige Werte für Anwendungen, bei denen Farbstabilität und die Erhaltung gesättigter Farben besonders wichtig sind, beispielsweise im Verpackungsdruck auf hochwertigen gestrichenen Bedruckstoffen.
  • Deaktivieren (0 %) – deaktivieren Sie die Tiefenkompensierung, wenn eine möglichst unveränderte Wiedergabe dunkler und gesättigter Farben oder ein maximal tiefer Schwarzeindruck im Vordergrund steht. Beachten Sie dabei das erhöhte Risiko von Zeichnungsverlusten in den Tiefen.

3.1. Wirkung der Tiefenkompensierung

Die Wirkung der Tiefenkompensierung hängt maßgeblich vom Unterschied zwischen den Schwarzpunkten von Quell- und Zielfarbraum ab. Unterscheiden sich die Schwarzpunkte nur geringfügig, fällt auch die Wirkung der Tiefenkompensierung entsprechend gering aus. Je größer die Differenz zwischen den Schwarzpunkten, desto stärker wird die Umverteilung der Tonwerte sichtbar.

3.2. Rendering Intents

Die aus dem ICC-Farbmanagement bekannten Rendering Intents – von Adobe als Prioritäten bezeichnet – stehen in einem Profilierungsprojekt nicht direkt als Parameter zur Verfügung.

Durch die Kombination der Parameter Tiefenkompensierung (BPC) und Papierweißkompensierung können jedoch ähnliche visuelle Ergebnisse erzielt werden. Die nachfolgenden Einstellungen stellen keine technische Entsprechung der ICC-Rendering-Intents dar, können deren typische Wirkung jedoch in vielen Anwendungsfällen näherungsweise nachbilden.

Empfohlene Einstellungen

  • Ähnlich relativ farbmetrisch – Tiefenkompensierung = 0 % | Papierweißkompensierung = 100 %
  • Ähnlich absolut farbmetrisch – Tiefenkompensierung = 0 % | Papierweißkompensierung = 0 %
  • Ähnlich perzeptiv / fotografisch – Tiefenkompensierung = 100 % | Papierweißkompensierung = 30 %

Die visuelle Annäherung ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Schwarzpunkt- und Papierweißanpassung. Während niedrige Kompensationswerte die Farbwerte möglichst unverändert erhalten, fördern höhere Werte eine harmonischere Anpassung zwischen Quell- und Zielfarbraum und können insbesondere bei Bilddaten zu einer verbesserten Wiedergabe der Schattenzeichnung führen.

Praxisnahe Annäherungen

Die ICC-Rendering-Intents umfassen zusätzliche Verfahren, die über die Wirkung von Tiefen- und Papierweißkompensierung hinausgehen. Insbesondere der perzeptive Rendering Intent kann eine Farbraumkompression, Tonwertskalierung sowie weitere Optimierungen zur Erhaltung visueller Farbzusammenhänge beinhalten. Die genannten Einstellungen sind daher als praxisnahe Annäherungen zu verstehen und nicht als vollständige Nachbildung der jeweiligen ICC-Rendering-Intents.

Artikel Update: $PRODUCT_NAME_WORKFLOW 2.2.0 – 07/2026

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