Benutzerhandbuch

Re-Charakterisierung erstellen

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Erfahren Sie in diesem Artikel,

  • was unter einer Re-Charakterisierung verstanden wird,
  • wie ein Korrekturzyklus aufgebaut ist und
  • welche Teilschritte für eine Überprüfung und für eine Korrektur benötigt werden.

1. Einführung

Die Charakterisierung beschreibt den Farbumfang einer Kombination aus Drucker, Druckkonfiguration, Farbkonfiguration und Material zu jenem Zeitpunkt, zu dem das Charakterisierungs-Chart eingemessen wurde. Der Zustand eines Drucksystems bleibt jedoch nicht dauerhaft unverändert. Gewartete oder getauschte Druckköpfe, eine neue Tintencharge, eine abweichende Materialcharge sowie veränderte Umgebungsbedingungen führen dazu, dass dieselben Druckdaten nach einiger Zeit nicht mehr exakt gleich ausgegeben werden.

Ziel der Re-Charakterisierung ist es, diese Abweichung messbar zu machen und – sofern sie zu groß ist – rechnerisch auszugleichen. Dafür wird ein reduziertes Messvorlage-Chart gedruckt und eingemessen. Die Messdaten werden den Messdaten der Charakterisierung gegenübergestellt und anhand festgelegter Toleranzen bewertet. Liegen die Abweichungen innerhalb der Toleranzen, ist keine weitere Maßnahme erforderlich. Liegen sie außerhalb der Toleranzen, wird eine Korrektur erstellt, die den ursprünglichen Zustand wiederherstellt. Eine vollständige Neuprofilierung ist erst dann erforderlich, sofern eine Korrektur nicht mehr ausreicht.

Charakterisierung bereits abgeschlossen

Die Re-Charakterisierung setzt eine abgeschlossene Charakterisierung voraus. Der Schritt steht erst zur Verfügung, sobald im Profilierungsprojekt mindestens eine gültige Charakterisierungsvariation erstellt wurde. Nähere Informationen dazu finden Sie im Artikel Charakterisierung erstellen.

2. Re-Charakterisierung im Profilierungsprojekt

Die Re-Charakterisierung ist der letzte Schritt eines Profilierungsprojekts in $PRODUCT_NAME_WORKFLOW und folgt auf die Charakterisierung. Der Schritt wird automatisch angezeigt, sobald eine Charakterisierungsvariation erfolgreich erstellt wurde. Je Profilierungsprojekt wird genau eine Re-Charakterisierung geführt. Sie gilt für alle Variationen des Projekts, da alle Variationen auf derselben Messgrundlage beruhen. Eine Überprüfung sowie eine daraus abgeleitete Korrektur müssen daher nicht je Variation wiederholt werden.

Für die Re-Charakterisierung wird ein eigenes Messvorlage-Chart verwendet, das als Kopie des Charakterisierungs-Charts erzeugt wird. Es enthält dieselben Prozessfarben, dieselbe Gesamtfarbauftragsbegrenzung sowie dieselben Überdruckregeln, jedoch weniger Farbfelder. Über die Qualität wird die Anzahl der Farbfelder gesteuert. Eine niedrigere Qualität bedeutet weniger Farbfelder und damit eine kürzere Messdauer. Die verwendeten Farben selbst können nicht bearbeitet werden.

Als Bewertungsgrundlage dienen zwei Toleranzwerte in ΔE00 – ein Wert für die Primärfarben und ein Wert für das Substrat. Die Vorgabewerte stammen aus dem Reiter Erweitert des Profilierungsprojekts und werden beim Anlegen eines Korrekturzyklus übernommen. Sie gelten für alle Messungen dieses Korrekturzyklus. Das Ergebnis einer Re-Charakterisierung ist eine freigegebene Korrektur, die bei der Auswahl der Farbstrategie für die Produktion verwendet wird.

3. Aufbau eines Korrekturzyklus

Eine Re-Charakterisierung besteht nicht aus einem einzelnen Durchlauf, sondern aus einer Folge von Messungen. Diese Messungen werden im Bereich Korrekturzyklen [1] verwaltet und sind in drei Ebenen gegliedert:

  • Korrekturzyklus – die oberste Ebene. Ein Korrekturzyklus fasst alle Messungen zusammen, die auf denselben Toleranzwerten beruhen.
  • Eintrag – eine einzelne Messung innerhalb eines Korrekturzyklus. Dabei wird zwischen zwei Arten von Einträgen unterschieden:
    • Überprüfung – das Messvorlage-Chart wird ohne Korrektur gedruckt. Gemessen wird die Abweichung vom charakterisierten Zustand.
    • Korrektur – das Messvorlage-Chart wird mit einer berechneten Korrektur gedruckt. Gemessen wird, ob diese Korrektur den ursprünglichen Zustand ausreichend wiederherstellt.
  • Teilschritt – jeder Eintrag wird in vier Teilschritten abgearbeitet:

Eine Korrektur ist somit kein reiner Rechenschritt. Sie wird gedruckt, eingemessen und bewertet wie jede andere Messung auch. Reicht das Ergebnis nicht aus, wird eine weitere Korrektur auf Basis der vorangegangenen erstellt. Die im rechten Bereich dargestellten Teilschritte beziehen sich immer auf jenen Eintrag, der im Bereich Korrekturzyklen ausgewählt ist. Die Einträge eines Korrekturzyklus werden nach ihrer Funktion in drei Phasen gegliedert:

  • Phase A: Überprüfung der Charakterisierung – in dieser Phase wird der gemessene Zustand gegenüber der ursprünglichen Charakterisierung überprüft. Wird der Eintrag bzw. die Überprüfung freigegeben, ist keine Korrektur erforderlich. Wird er abgelehnt, wird in die Korrekturphase gewechselt.
  • Phase B: Korrektur zu Phase A und Iterationen – in dieser Phase werden die Korrekturen erstellt und gemessen. Jede weitere Korrektur baut auf der vorangegangenen auf. Die Phase wird abgeschlossen, indem jene Korrektur ausgewählt wird, die für die Produktion verwendet werden soll.
  • Phase C: Überprüfung der Korrektur – in dieser Phase wird die zuvor erstellte Korrektur nach einiger Zeit wieder überprüft, um festzustellen, ob das neu erstellte Farbprofil weiterhin passt. Gemessen wird gegen das zuletzt korrigierte Farbprofil. Wird der Eintrag freigegeben, bleibt die Korrektur in Verwendung. Wird er abgelehnt, wird der Korrekturzyklus geschlossen und es kann ein neuer Korrekturzyklus begonnen werden.

Abbildung 1: Übersicht einer bereits abgeschlossenen Re-Charakterisierung

4. Re-Charakterisierung erstellen

Eine Re-Charakterisierung beginnt immer mit einem neuen Korrekturzyklus. Den Anfang macht darin die Überprüfung der Charakterisierung. Dabei wird das Messvorlage-Chart gedruckt, eingemessen und anhand der festgelegten Toleranzen bewertet. Fällt die Bewertung positiv aus, ist keine weitere Maßnahme erforderlich.

Andernfalls folgen eine oder mehrere Korrekturen, die auf dieselbe Weise gedruckt, eingemessen und bewertet werden, bis das Ergebnis ausreicht. Zum Abschluss wird jene Korrektur ausgewählt, die für die Produktion verwendet wird. Sie kann zu einem späteren Zeitpunkt erneut gegen den aktuellen Stand des Drucksystems überprüft werden.

4.1. Voraussetzungen

Damit eine Re-Charakterisierung durchgeführt werden kann, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ein Profilierungsprojekt wurde erstellt.
  • Die Vorlinearisierung wurde durchgeführt, sofern dieser Schritt beim Erstellen des Projekts aktiviert wurde.
  • Die Linearisierung wurde durchgeführt, sofern dieser Schritt beim Erstellen des Projekts aktiviert wurde.
  • Die G7-Linearisierung sowie die Gesamtfarbauftragsbegrenzung wurden durchgeführt, sofern diese Schritte beim Erstellen des Projekts aktiviert wurden.
  • Die Charakterisierung wurde durchgeführt und es liegt mindestens eine gültige Variation vor.

Standardmodus vs. Expertenmodus in der Benutzeroberfläche

In der Benutzeroberfläche jedes Schritts steht der Expertenmodus [2] (Abbildung 1) zur Verfügung. Abhängig davon, ob der Expertenmodus aktiviert ist oder nicht, ändert sich die Benutzeroberfläche.

Sie haben in jedem Schritt die Möglichkeit, sich detailliert anleiten zu lassen, indem Sie den Anweisungen der Statusleiste [3] (Abbildung 1) folgen. Um weitere Einstellungsmöglichkeiten zu erhalten oder zu einem vorherigen Teilschritt zurückzukehren, muss der Expertenmodus aktiviert sein. In beiden Fällen werden alle Teilschritte abgedeckt.

4.2. Korrekturzyklus anlegen und Charakterisierung überprüfen (Phase A)

Um eine Re-Charakterisierung zu beginnen, gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Öffnen Sie das jeweilige Profilierungsprojekt und wechseln Sie in den Schritt Re-Charakterisierung [4].
  2. Klicken Sie im Bereich Korrekturzyklen auf + Neuen Korrekturzyklus hinzufügen [5]. Der Dialog Korrekturzyklus hinzufügen öffnet sich.

Abbildung 2: Die Übersicht der Re-Charakterisierung, bevor der erste Korrekturzyklus begonnen wurde

  1. Legen Sie die Toleranz für Primärfarben [7] sowie die Toleranz für Papierweiß [8] fest. Optional erfassen Sie eine Bemerkung [6] für diesen Korrekturzyklus.
  2. Klicken Sie abschließend auf Speichern, um den ersten Korrekturzyklus zu starten.

Abbildung 3: Der Dialog Korrekturzyklus hinzufügen

  1. Sie gelangen dadurch wieder zurück zur Übersicht und starten mit der Phase A: Überprüfung der Charakterisierung [9]. Im rechten Bereich werden die vier Teilschritte angezeigt. In diesem Status wird die ursprüngliche Charakterisierung überprüft.
  2. Klicken Sie als nächstes auf den Befehl Drucken [10].

Abbildung 4: Der Schritt Re-Charakterisierung im Expertenmodus, mit einem bereits begonnenen Korrekturzyklus

  1. Der Dialog Messvorlage-Chart drucken – Re-Charakterisierung öffnet sich und enthält das reduzierte Chart für die Überprüfung der Charakterisierung.
  2. Geben Sie im Dialog alle benötigten Parameter ein und klicken Sie abschließend auf den Befehl Zum Drucker [Name des Druckers] übertragen.

Detailbeschreibung Messvorlage-Chart drucken

Eine detaillierte Beschreibung aller Möglichkeiten im Dialog Messvorlage-Chart drucken finden Sie im Artikel Messvorlage-Chart drucken.

Abbildung 5: Der Dialog Messvorlage-Chart drucken – Re-Charakterisierung im Standardmodus

  1. Sie gelangen damit wieder zurück zur Übersicht der Re-Charakterisierung. Der nächste Schritt ist das Einmessen des Messvorlage-Charts.
  2. Sobald das gewünschte Messvorlage-Chart gedruckt wurde, kann mit dem Messen begonnen werden. Klicken Sie dafür auf den Befehl Messen [11].

Abbildung 6: Der Schritt Re-Charakterisierung im Expertenmodus, im Teilschritt Messen

  1. Dadurch öffnet sich der Dialog Messen. Klicken Sie in diesem Dialog auf den Befehl Seite 1 messen [12]. Dadurch wird die Information an das jeweilige Messgerät weitergeleitet und der Messvorgang kann gestartet werden.
  2. Sind alle Messvorlage-Charts eingemessen, ist dieser Schritt abgeschlossen. Sofern mehrere Charts vorhanden sind, wird nach dem Einmessen der ersten Seite automatisch die nächste Seite aufgerufen. Wiederholen Sie den Messvorgang für jede weitere Seite.

Detailbeschreibung Messvorlage-Chart einmessen

Eine detaillierte Beschreibung aller Möglichkeiten in diesem Dialog finden Sie im Artikel Messvorlage-Chart einmessen.

Abbildung 7: Der Dialog Messen im Re-Charakterisierungsschritt vor Beginn der Messung

  1. Sie gelangen damit wieder zurück zur Übersicht der Re-Charakterisierung. Ist der Expertenmodus [2] (Abbildung 1) aktiviert, können die Messergebnisse analysiert werden. Eine detaillierte Beschreibung aller Analysemöglichkeiten in diesem Dialog finden Sie im Artikel Messdaten analysieren.
  2. Der nächste und letzte Schritt der Überprüfung ist die Bewertung des Ergebnisses. Klicken Sie dafür auf den Befehl Freigeben/Ablehnen [13].

Abbildung 8: Der Schritt Re-Charakterisierung im Expertenmodus, im Teilschritt Freigeben/Ablehnen

  1. Der Dialog Freigeben/Ablehnen öffnet sich. In der Tabelle werden je Kriterium die mittlere und in Klammer die maximale Abweichung in ΔE00, der hinterlegte Toleranzwert sowie das Überprüfungsergebnis dargestellt. Als Kriterien werden die Primärfarben sowie das Material geführt.
  2. Klicken Sie auf den Befehl Freigeben [15], sofern das Ergebnis innerhalb der Toleranzen liegt. Klicken Sie auf den Befehl Ablehnen und Korrektur starten [14], sofern eine Korrektur erforderlich ist.

Detailbeschreibung Freigeben/Ablehnen

Eine detaillierte Beschreibung aller Möglichkeiten in diesem Dialog finden Sie im Artikel Freigeben/Ablehnen – Einstellungsmöglichkeiten.

Abbildung 9: Der Dialog Freigeben/Ablehnen

4.3. Korrektur erstellen und iterieren (Phase B)

Wurde die Überprüfung der Phase A abgelehnt, wird die Re-Charakterisierung folgendermaßen fortgesetzt:

  1. Klicken Sie im Bereich Korrekturzyklen auf die Option Neue Korrekturiteration beginnen [16].

Abbildung 10: Der Schritt Re-Charakterisierung im Expertenmodus mit der Option Neue Korrekturiteration beginnen

  1. Bestätigen Sie den Sicherheitshinweis zum Wechsel von der Überprüfungsphase in die Korrekturphase durch Klick auf OK. Die Phase B: Korrektur zu Phase A und Iterationen [17] wird eröffnet.
  2. Durchlaufen Sie die vier Teilschritte erneut (Schritte 5 bis 13 in Abschnitt 4.2). Das Messvorlage-Chart wird dabei mit der berechneten Korrektur gedruckt. Damit wird gemessen, wie weit diese Korrektur den charakterisierten Zustand wiederherstellt.

Abbildung 11: Der Schritt Re-Charakterisierung im Expertenmodus

  1. Bewerten Sie das Ergebnis im Teilschritt Freigeben/Ablehnen. Die Messwerte werden dabei mit der ursprünglichen Charakterisierung verglichen. Klicken Sie auf den Befehl Freigeben, sofern die Abweichungen innerhalb der Toleranzen liegen. Klicken Sie auf den Befehl Ablehnen, sofern sie weiterhin außerhalb der Toleranzen liegen.
  2. Legen Sie über den Befehl Neue Korrekturiteration [16] (Abbildung 10) eine weitere Korrektur an, sofern das Ergebnis nicht ausreicht. Diese baut auf der vorangegangenen Korrektur auf. Wiederholen Sie die Teilschritte so lange, bis das Ergebnis ausreicht. Eine weitere Korrekturiteration ist auch dann möglich, sofern bereits eine Korrektur freigegeben wurde. Am Ende entscheiden Sie, welche Korrektur für die Produktion verwendet wird.

Anzahl der Korrekturiterationen

Die größte Verbesserung wird in der Regel mit der ersten Korrektur erzielt. Jede weitere Iteration bewirkt meist nur noch geringe Verbesserungen. Mehr als zwei zusätzliche Iterationen führen daher in der Regel zu keinem nennenswerten Ergebnis.

4.4. Korrekturphase abschließen

Um die Korrekturphase zu beenden und eine Korrektur für die Produktion festzulegen, gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Klicken Sie auf den Befehl Korrekturphase abschließen [19]. Der Dialog Korrekturphase abschließen öffnet sich.
  2. Wählen Sie jene Korrektur aus, die für die Produktion verwendet werden soll.

Um im Nachhinein eine andere Korrektur zu verwenden, öffnen Sie das ...–Menü der betreffenden Korrektur und klicken Sie auf den Befehl Für Produktion verwenden [18]. Das zugehörige Farbprofil wird damit für die weitere Produktion verwendet.

Abbildung 12: Der Schritt Re-Charakterisierung im Expertenmodus

4.5. Korrektur überprüfen (Phase C)

Sofern eine erstellte Korrektur zu einem späteren Zeitpunkt gegen den aktuellen Stand des Drucksystems überprüft werden soll, wird die Phase C: Überprüfung der Korrektur eingeleitet. Damit wird überprüft, ob der aktuelle Zustand noch mit der korrigierten Charakterisierung übereinstimmt.

Gehen Sie dafür folgendermaßen vor:

  1. Öffnen Sie das jeweilige Profilierungsprojekt und wechseln Sie in den Schritt Re-Charakterisierung.
  2. Klicken Sie auf den Befehl Neue Überprüfung [20].

Abbildung 13: Der Schritt Re-Charakterisierung im Expertenmodus

  1. Durchlaufen Sie die vier Teilschritte erneut (Schritte 5 bis 13 in Abschnitt 4.2).
  2. Bewerten Sie das Ergebnis im Teilschritt Freigeben/Ablehnen. Die neuen Messwerte werden dabei gegen das zuletzt korrigierte Farbprofil geprüft. Klicken Sie auf den Befehl Freigeben [22], sofern die Abweichungen innerhalb der Toleranzen liegen. Klicken Sie auf den Befehl Ablehnen [21], sofern sie auerhalb der Toleranzen liegen. Der Korrekturzyklus wird dadurch geschlossen und es kann ein neuer Korrekturzyklus begonnen werden.

Abbildung 14: Der Dialog Freigeben/Ablehnen nach einer Überprüfung der Korrektur

Artikel Update: $PRODUCT_NAME_WORKFLOW 2.3.0 – 09/2026

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